Bargeld oder Karte: Wo Berlin 2026 steht

Schaufenster eines Spätis in Charlottenburg

Deutschland hängt am Bargeld. Laut der im Juni 2026 veröffentlichten Studie der Bundesbank zum Zahlungsverhalten wurde 2025 bei 45 % der Alltagskäufe bar bezahlt: Zum ersten Mal liegt der Anteil unter der Hälfte, doch nach Zahl der Transaktionen bleibt Bargeld das meistgenutzte Zahlungsmittel. Vor allem bei kleinen Beträgen dominiert es.

In Berlin akzeptieren die meisten Supermärkte, Kaufhäuser, Ketten, Museen und Restaurants Karten, oft kontaktlos. Ausnahmen finden sich vor allem bei kleinen Betrieben: Kneipen, Spätis, Bäckereien, Imbisse und Marktstände. Ein Schild „Nur Barzahlung“ oder „Keine Kartenzahlung“ am Eingang oder an der Kasse weist Sie darauf hin. Andere Geschäfte nehmen Karten erst ab einem Mindestbetrag an, der oft an der Kasse aushängt: Keine Regel verbietet das derzeit in Deutschland.

Das könnte sich ändern. Der Koalitionsvertrag von 2025 sah vor, neben Bargeld schrittweise mindestens eine digitale Zahlungsoption anzubieten. Am 11. September 2026 hat das Bundesministerium der Finanzen Eckpunkte vorgestellt: Ab 2027 soll jedes Geschäft und jedes Restaurant neben Bargeld mindestens ein digitales Zahlungsmittel akzeptieren, mit geplanten Ausnahmen für Vereine, Dorffeste und Flohmärkte. Im Oktober 2026 ist das Gesetz noch nicht beschlossen: Derzeit gilt keine Pflicht.

Praktischer Tipp: Haben Sie stets 30 bis 50 € in kleinen Scheinen und Münzen dabei. Das reicht für den Späti, eine Currywurst, ein Getränk in der Kneipe oder einen Vormittag auf dem Flohmarkt im Mauerpark, wo viele Stände nur Bargeld nehmen.

Girocard, Visa, Mastercard und mobiles Bezahlen

Die in Deutschland verbreitetste Karte ist die girocard, die Debitkarte der heimischen Banken. Deshalb akzeptierten manche kleine Geschäfte lange die „EC-Karte“, aber keine ausländischen Karten. Heute nehmen die meisten Terminals auch Visa und Mastercard an, als Debit- wie als Kreditkarte; American Express ist deutlich weniger verbreitet. Achten Sie im Zweifel vor der Bestellung auf die Logos an der Tür oder am Terminal.

Kontaktloses Bezahlen ist üblich, auch mit Smartphone oder Uhr: Laut der Bundesbank-Studie hat sich mobiles Bezahlen fast verdoppelt und machte 2025 10 % der Käufe aus. Bei höheren Beträgen oder nach mehreren kontaktlosen Zahlungen hintereinander kann das Terminal Ihre PIN verlangen. Ein Schild „Nur girocard“ bedeutet, dass ausländische Karten nicht funktionieren: Halten Sie dann Bargeld bereit.

Nahverkehr: Karte im Bus, Münzen in der Tram

BVG-Fahrkartenautomat in einem U-Bahnhof

Seit dem 2. September 2024 kann in den Bussen der BVG nicht mehr bar bezahlt werden. Der Fahrer verkauft weiterhin Fahrscheine, aber nur gegen kontaktlose Zahlung: Debit- oder Kreditkarte, Apple Pay, Google Pay oder die BVG-Guthabenkarte, die sich in den BVG-Kundenzentren und in vielen Lotto-Annahmestellen mit Bargeld aufladen lässt.

Die Automaten in den U- und S-Bahnhöfen akzeptieren Karten, kontaktlos oder mit PIN, sowie Münzen; Banknoten nehmen nur ausgewählte Geräte an. Die kleinen Automaten in den Straßenbahnen akzeptieren dagegen nur Münzen. Am einfachsten kaufen Sie Ihre Fahrscheine in der App der BVG, bezahlbar per Karte oder mobil. Fahrscheinarten und Preise finden Sie in unserem Ratgeber zum Nahverkehr in Berlin.

Geld abheben: Geldautomaten und dynamische Währungsumrechnung

Die zuverlässigsten Geldautomaten gehören Banken und Sparkassen (Sparkasse, Volksbank, Deutsche Bank, Commerzbank…) und stehen im Foyer oder an der Fassade einer Filiale. Für Karten außerhalb ihres Verbunds können diese Banken ein Abhebeentgelt („direktes Kundenentgelt“) verlangen, das vor der Bestätigung auf dem Bildschirm angezeigt werden muss. Ihre eigene Bank kann weitere Gebühren berechnen.

Vorsicht bei unabhängigen Automaten in Spätis, Bahnhöfen oder touristischen Straßen, etwa von Euronet: Ihre Gebühren und vor allem ihre Wechselkurse sind oft ungünstig.

Die größte Falle ist die dynamische Währungsumrechnung. Am Geldautomaten wie am Terminal eines Geschäfts bietet der Bildschirm an, „in Ihrer Währung“ statt in Euro abzurechnen, zu einem angeblich garantierten Kurs. Wählen Sie immer Euro: Der Kurs der dynamischen Umrechnung ist ungünstiger als der Ihrer Bank. Verdecken Sie Ihre PIN und meiden Sie nachts abgelegene Automaten; weitere Sicherheitstipps finden Sie in unserem Ratgeber zu Betrugsmaschen in Berlin.

Im Restaurant: getrennte Rechnung und Trinkgeld

In Deutschland enthalten die Preise auf der Speisekarte Mehrwertsteuer und Bedienung: Weder Gedeck noch Serviceaufschlag kommen auf die Rechnung. Zum Bezahlen stehen Sie nicht auf, sondern bitten die Bedienung um die Rechnung („Die Rechnung, bitte“ oder „Zahlen, bitte“), die mit Geldbörse oder mobilem Terminal an den Tisch kommt.

Oft folgt die Frage „Zusammen oder getrennt?“. Die Rechnung unter Freunden aufzuteilen ist völlig normal, auch in einer Gruppe; jeder nennt, was er hatte, und zahlt seinen Anteil.

Trinkgeld ist nicht Pflicht, üblich sind aber etwa 5 bis 10 % bei gutem Service. Man lässt es nicht auf dem Tisch liegen, sondern nennt es beim Bezahlen. Bei einer Rechnung von 27,40 € sagen Sie zum Beispiel „30, bitte“ und reichen einen 50-€-Schein, dann bekommen Sie 20 € zurück. Geben Sie den genauen Betrag samt Trinkgeld, sagen Sie „Stimmt so“: Die Bedienung behält das Wechselgeld. Mit Karte nennen Sie den aufgerundeten Betrag, bevor er ins Terminal eingetippt wird, oder wählen das Trinkgeld, wenn das Gerät es anbietet.

In Bars und Kneipen rundet man auf den nächsten Euro auf. An der Theke eines Imbisses oder einer Bäckerei ist Trinkgeld selten; manchmal steht eine Trinkgeldkasse neben der Kasse.

Pfand: Flaschen, Dosen und Gläser

Die meisten in Deutschland verkauften Flaschen und Dosen sind pfandpflichtig, und das Pfand wird an der Kasse zum Preis addiert. Einwegflaschen und Dosen, erkennbar am Logo mit Pfeil, kosten 0,25 € Pfand. Mehrwegflaschen kosten 0,08 € (Bier) oder 0,15 € (Wasser, Saft).

Um das Geld zurückzubekommen, bringen Sie das Leergut in einen Supermarkt: Ein Automat nimmt es an und druckt einen Pfandbon, den Sie an der Kasse einlösen. Wenn Sie es nicht zurückbringen möchten, stellen Sie es neben einen Mülleimer statt hinein: Sammler nehmen es mit. In Bars, auf Festivals und Weihnachtsmärkten gilt oft auch Pfand auf Gläser und Tassen: Sie erhalten es zurück, wenn Sie sie am Stand abgeben.

Öffentliche Toiletten: 50 Cent, ohne Bargeld

Die Kabinen der „Berliner Toilette“ an den Straßen kosten 0,50 €. Laut dem Betreiber Wall nehmen sie seit Juli 2024 keine Münzen mehr an: Bezahlt wird mit Debit- oder Kreditkarte, Apple Pay, Google Pay, BVG-Guthabenkarte oder über die App „Berliner Toilette“ (PayPal). Von den 278 Standorten der Stadt sind 107 kostenlos, und das Pissoir ist oft frei nutzbar. In Bahnhöfen und Kaufhäusern sind die Toiletten in der Regel ebenfalls kostenpflichtig.

Taxis: festgelegter Tarif und Kartenzahlung

Hellelfenbeinfarbenes Berliner Taxi

Berliner Taxis, hellelfenbeinfarben mit gelbem TAXI-Schild, fahren nach einem vom Berliner Senat festgelegten Tarif:

  • Grundpreis: 4,30 €.
  • Kilometerpreis: 2,80 € für die ersten 3 km, 2,60 € von 3 bis 7 km, danach 2,10 €.
  • Kurzstrecke: 6 € für höchstens 2 km, nur wenn Sie ein fahrendes Taxi auf der Straße heranwinken (nicht am Taxistand oder per Telefon) und dies beim Einsteigen sagen.

Seit 2015 muss jedes Berliner Taxi bargeldlose Zahlung mit mindestens drei gängigen Debit- oder Kreditkarten akzeptieren, und für die Kartenzahlung fällt kein Zuschlag an. Der Fahrer kann einen Ausweis verlangen. Als Trinkgeld rundet man meist den angezeigten Betrag auf. Für Fahrten vom Flughafen, für die ein eigener Tarif gilt, lesen Sie unseren Ratgeber zum Flughafen Berlin BER.

Tax Free: Mehrwertsteuererstattung für Nicht-EU-Bürger

Wenn Sie außerhalb der Europäischen Union wohnen, können Sie sich einen Teil der deutschen Mehrwertsteuer auf Waren erstatten lassen, die Sie im persönlichen Reisegepäck ausführen. Wichtigste Bedingungen: Die Rechnung muss 50 € einschließlich Mehrwertsteuer übersteigen, und die Waren müssen die EU innerhalb von drei Monaten nach dem Kauf verlassen. Fragen Sie im Geschäft nach dem Tax-Free-Formular (Kaufhäuser wie das KaDeWe und viele Läden arbeiten mit Diensten wie Global Blue oder Planet) und lassen Sie es bei der Ausreise aus der EU vom Zoll abstempeln, zusammen mit den unbenutzten Waren und Ihrem Ticket. Befinden sich die Einkäufe im Aufgabegepäck, gehen Sie vor dem Check-in zum Zoll. Die Erstattung zahlt anschließend das Geschäft oder der Tax-Free-Dienstleister, abzüglich seiner Gebühren: Die Finanzämter erstatten Reisenden nicht direkt. Einwohner der EU sind ausgeschlossen.

Übersicht: Wie Sie was bezahlen

Situation Empfohlenes Zahlungsmittel Gut zu wissen
Späti, Bäckerei, Imbiss Bargeld Karte oft möglich, aber nicht überall
Kneipe, kleine Bar Bargeld Vor der Bestellung auf „Nur Barzahlung“ achten
Supermarkt, Kaufhaus, Kette Karte oder mobil Kontaktlos üblich
Restaurant Karte oder Bargeld Bedienung inklusive, 5 bis 10 % Trinkgeld beim Bezahlen nennen
BVG-Bus Kontaktlose Karte oder mobil Kein Bargeld seit September 2024
Automat in der Tram Münzen Keine Karten, keine Scheine
Geld abheben Geldautomat einer Bank Umrechnung ablehnen, Euro wählen
Toiletten „Berliner Toilette“ Karte oder mobil 0,50 €, keine Münzen
Taxi Karte oder Bargeld Kartenzahlung Pflicht, ohne Zuschlag
Flohmarkt Bargeld Wenige Stände mit Terminal

Preise ermittelt im Oktober 2026.

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