Prenzlauer Berg im Überblick: vom Arbeiterviertel zum Familienkiez
Prenzlauer Berg verdankt seinen Namen dem Hügel an der Straße nach Prenzlau, nördlich der alten Stadt. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts standen hier vor allem Windmühlen und Brauereien, die die in den Boden gegrabenen Keller nutzten. Mit der Industrialisierung wurde der Hügel mit fünfstöckigen Mietskasernen rund um mehrere Hinterhöfe bebaut, um die nach Berlin strömenden Arbeiter unterzubringen.
Der Stadtteil überstand den Zweiten Weltkrieg vergleichsweise unbeschadet. Zu DDR-Zeiten lag er im sowjetischen Sektor, wenige Straßen von der Mauer entfernt, und die Altbauten verfielen mangels Instandhaltung. Die niedrigen Mieten zogen Künstler, Schriftsteller und Regimegegner an, und 1989 wurde die Gethsemanekirche zu einem der Zentren des friedlichen Protests.
Nach der Wiedervereinigung wurden die meisten Fassaden saniert, und eine neue, oft junge und wohlhabende Bevölkerung zog zu. Seit 2001 gehört Prenzlauer Berg zum Bezirk Pankow. Das Herz des Stadtteils rund um den Kollwitzplatz wird Kollwitzkiez genannt.
Sehenswertes in Prenzlauer Berg
Der Kollwitzplatz und seine Märkte

Der Kollwitzplatz ist ein dreieckiger, baumbestandener Platz, gesäumt von Cafés und Restaurants. Er trägt den Namen der Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz, die rund fünfzig Jahre ganz in der Nähe lebte. Eine Bronzeplastik von Gustav Seitz, die sie sitzend zeigt, steht in der Mitte des Platzes neben einem stark besuchten Spielplatz.
Jede Woche finden hier zwei Märkte statt. Donnerstags versammelt der Ökomarkt des Vereins GRÜNE LIGA Berlin rund vierzig Bio-Erzeuger aus der Region, von April bis Dezember von 12:00 bis 19:00 Uhr und von Januar bis März von 12:00 bis 18:00 Uhr. Samstags belegt ein allgemeinerer Wochenmarkt dieselben Straßen, mit vielen Ständen für Feinkost und Speisen zum Mitnehmen. Beide Märkte stehen entlang der Knaackstraße und der Wörther Straße.
Der Wasserturm

Zwei Straßen vom Kollwitzplatz entfernt steht der Wasserturm Prenzlauer Berg, genannt „Dicker Hermann“, der älteste Wasserturm Berlins. Für die englische Wasserwerksgesellschaft nach Plänen von Henry Gill errichtet, ging er 1877 in Betrieb und versorgte das Viertel bis 1952. Der runde Backsteinturm enthält Wohnungen, die bis heute bewohnt sind: Innen ist er daher nicht zu besichtigen.
Der Ort hat auch ein dunkles Kapitel. Im Frühjahr 1933, kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, richtete die SA in einem der Maschinenhäuser ein „wildes“ Konzentrationslager ein, in dem Gegner festgehalten und misshandelt wurden. Eine Gedenktafel in der Knaackstraße erinnert daran. Um den Wasserturm liegt ein kleiner, frei zugänglicher Hangpark mit schönem Blick über die Dächer des Viertels.
Die Kulturbrauerei und das Museum zum DDR-Alltag

Die Kulturbrauerei nimmt die ehemalige Schultheiss-Brauerei ein, einen großen Komplex aus rotem und gelbem Backstein, der Ende des 19. Jahrhunderts großenteils von dem Architekten Franz Schwechten entworfen wurde. Heute beherbergt sie ein Kino, Konzertsäle, Clubs, Restaurants und Büros rund um gepflasterte Höfe, die frei zugänglich sind. Die Haupteingänge liegen Schönhauser Allee 36 und Knaackstraße 97.
Das Museum in der Kulturbrauerei der Stiftung Haus der Geschichte zeigt die Dauerausstellung „Alltag in der DDR“ über das tägliche Leben in Ostdeutschland: Wohnen, Arbeit, Konsum, Freizeit und Überwachung. Der Eintritt ist frei. Das Museum ist dienstags bis freitags von 9:00 bis 18:00 Uhr sowie samstags und sonntags von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, montags geschlossen. Einige Bereiche der Dauerausstellung werden bis Anfang Dezember 2026 umgebaut. Einen interaktiveren Zugang zum selben Thema bietet das DDR Museum nahe der Museumsinsel.
Die Synagoge Rykestraße
In der Rykestraße 53, zurückgesetzt am Ende eines Hofes, steht die größte Synagoge Deutschlands mit rund 1.200 Plätzen. Sie wurde im neoromanischen Stil nach Plänen von Johann Hoeniger erbaut und 1904 eingeweiht. Weil sie von Wohnhäusern umgeben ist, wurde sie beim Novemberpogrom 1938 nicht in Brand gesetzt. Restauriert, ist sie bis heute ein aktives Gotteshaus: Sie sehen sie vor allem von der Straße aus, denn das Innere ist nur zu bestimmten Anlässen zugänglich, etwa am Tag der offenen Tür der Berliner Synagogen.
Die Gethsemanekirche
Die Gethsemanekirche in der Stargarder Straße 77 ist eine evangelische Backsteinkirche aus dem späten 19. Jahrhundert. Im September und Oktober 1989 fanden hier Mahnwachen und Fürbitten für verhaftete Demonstranten statt, und die Kirche wurde zu einem Symbol der friedlichen Revolution in der DDR. Sie ist in der Regel montags bis freitags von 9:00 bis 18:00 Uhr außerhalb der Gottesdienste geöffnet; der Sonntagsgottesdienst beginnt um 11:00 Uhr.
Der Mauerpark und die Bernauer Straße
Am Westrand des Stadtteils erstreckt sich der Mauerpark auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen Prenzlauer Berg und Wedding. Sonntags findet dort ein großer Flohmarkt mit dem Open-Air-Karaoke im Bearpit statt. Weiter nach Südwesten erreichen Sie in wenigen Minuten die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße.
Das Zeiss-Großplanetarium
Im Osten, Prenzlauer Allee 80, wurde das Zeiss-Großplanetarium 1987 eröffnet und zwischen 2014 und 2016 modernisiert. Unter seiner 23-Meter-Kuppel laufen Astronomie-Shows und 360°-Projektionen. Rechnen Sie mit 12 € (ermäßigt 8 €) für Wissensprogramme und 16 € (ermäßigt 12 €) für Unterhaltungsshows. Es liegt am S-Bahnhof Prenzlauer Allee an der Ringbahn.
Essen und Trinken in Prenzlauer Berg
Prenzlauer Berg hat sehr viele Cafés, Bäckereien und Restaurants, vor allem rund um den Kollwitzplatz, in der Kastanienallee und in der Oderberger Straße. Prüfen Sie die Öffnungszeiten vor dem Besuch, denn viele Lokale haben keine durchgehende Küche.
Konnopke's Imbiss, Currywurst unter der Hochbahn
Konnopke's Imbiss, Schönhauser Allee 44B, liegt unter dem Viadukt der Hochbahn U2, direkt am U-Bahnhof Eberswalder Straße. Der 1930 von Max Konnopke gegründete Imbiss ist eine der bekanntesten Currywurst-Adressen Berlins. Er ist dienstags bis freitags von 11:00 bis 18:00 Uhr und samstags von 12:00 bis 19:00 Uhr geöffnet, sonntags und montags geschlossen.
Die Kastanienallee und der Prater
Die Kastanienallee verbindet die Kreuzung am U-Bahnhof Eberswalder Straße mit Mitte. Cafés, Designerläden und Secondhand-Geschäfte reihen sich aneinander, und die Tram fährt die ganze Straße entlang. In der Nummer 7-9 gilt der Prater als ältester Biergarten Berlins: Hier wird seit 1837 Bier ausgeschenkt. Der Garten ist von Ende März bis in den Frühherbst geöffnet, je nach Wetter.
Die Oderberger Straße
Parallel zur Kastanienallee verläuft die Oderberger Straße, eine breite, ruhige Straße mit sanierten Fassaden und Terrassen. In der Ferne sehen Sie den Fernsehturm am Alexanderplatz. In der Straße liegt das ehemalige Stadtbad von 1902, heute ein Hotel mit Schwimmbad. Im Westen mündet sie in den Mauerpark.
Ein Spaziergang durch Prenzlauer Berg
Rechnen Sie mit etwa drei Stunden einschließlich Pausen für diese Runde von gut 4 Kilometern.
- Steigen Sie am U-Bahnhof Senefelderplatz aus der U2 und gehen Sie die Kollwitzstraße hinauf bis zum Kollwitzplatz.
- Umrunden Sie den Platz und nehmen Sie dann die Knaackstraße nach Süden bis zum Wasserturm. Steigen Sie für die Aussicht in den Park hinauf.
- Gehen Sie über die Rykestraße hinunter, vorbei an der Synagoge, und zurück in Richtung Kollwitzplatz.
- Nehmen Sie die Sredzkistraße nach Westen bis zur Kulturbrauerei und besuchen Sie das Museum zum DDR-Alltag.
- Verlassen Sie das Gelände zur Schönhauser Allee und gehen Sie hinauf bis zu Konnopke's Imbiss unter der Hochbahn.
- Überqueren Sie die Kreuzung, gehen Sie die Kastanienallee hinunter und dann über die Oderberger Straße bis zum Mauerpark.
- Wenn Sie noch Zeit haben, gehen Sie weiter zur Bernauer Straße und zur Gedenkstätte Berliner Mauer.
Wenn Sie in Mitte sind, können Sie auch von den Hackeschen Höfen zu Fuß kommen: Rechnen Sie mit einer halben Stunde über die Kastanienallee.
Praktische Informationen
Anreise nach Prenzlauer Berg
Die U2 durchquert den Stadtteil von Süden nach Norden, zuerst unterirdisch, dann auf einem Viadukt über der Schönhauser Allee. Vom Alexanderplatz aus ist Senefelderplatz die zweite und Eberswalder Straße die dritte Station. Die Tram M1 verbindet Mitte (Hackescher Markt) mit der Kastanienallee und der Schönhauser Allee; auch die Tram 12 fährt durch die Kastanienallee. Die Tram M10 bedient die Eberswalder Straße und die Danziger Straße, die M2 die Prenzlauer Allee. Der Bahnhof Schönhauser Allee (U2 und S-Bahn-Ring) liegt im Norden des Stadtteils. Alle Details zu Fahrkarten finden Sie in unserem Guide zum Nahverkehr in Berlin.
Die Sehenswürdigkeiten im Überblick
| Ort | Adresse | Öffnungszeiten | Preis |
|---|---|---|---|
| Ökomarkt am Kollwitzplatz | Kollwitzplatz, 10405 Berlin | Donnerstag 12:00-19:00 Uhr (Januar bis März 12:00-18:00 Uhr) | Eintritt frei |
| Wasserturm | Knaackstraße / Belforter Straße | Park jederzeit zugänglich, Turm nicht zu besichtigen | Kostenlos |
| Museum in der Kulturbrauerei | Knaackstraße 97, 10435 Berlin | Dienstag-Freitag 9:00-18:00 Uhr, Samstag-Sonntag 10:00-18:00 Uhr, montags geschlossen | Kostenlos |
| Gethsemanekirche | Stargarder Straße 77, 10437 Berlin | Montag-Freitag 9:00-18:00 Uhr, Gottesdienst sonntags um 11:00 Uhr | Kostenlos |
| Zeiss-Großplanetarium | Prenzlauer Allee 80, 10405 Berlin | Je nach Vorstellungsplan | 12 € bis 16 € |
| Konnopke's Imbiss | Schönhauser Allee 44B, 10435 Berlin | Dienstag-Freitag 11:00-18:00 Uhr, Samstag 12:00-19:00 Uhr | Je nach Bestellung |
Preise im Oktober 2026 auf den offiziellen Websites festgestellt.
Wann Sie kommen sollten
Am Donnerstagnachmittag genießen Sie den Ökomarkt in entspannter Atmosphäre. Samstags ist der Markt am Kollwitzplatz belebter, und sonntags trifft sich die halbe Stadt im Mauerpark. Meiden Sie den Montag, wenn Sie das Museum in der Kulturbrauerei besuchen oder bei Konnopke's essen möchten. Der Stadtteil ist zu jeder Jahreszeit angenehm, doch im Frühling und Sommer erwachen die Terrassen und der Prater-Garten zum Leben.
Übernachten in Prenzlauer Berg
Abends ruhig und mit U2 und Tram gut an die Innenstadt angebunden, ist Prenzlauer Berg ein guter Ausgangspunkt für einen Aufenthalt, besonders mit Familie. Zum Vergleich mit anderen Stadtteilen lesen Sie unseren Guide Wo übernachten in Berlin.
Weiterführende Informationen
Prenzlauer Berg lässt sich gut in einem halben Tag im Rahmen eines Wochenendes in Berlin erkunden, idealerweise an einem Sonntag, damit Sie anschließend in den Mauerpark gehen können. Für eine alternativere Atmosphäre mit Nachtleben lesen Sie weiter in unseren Guides zu Friedrichshain und Kreuzberg.







